Stellungnahme

Nein, wir sind nicht der NABU… aber es waren die Veranstaltungen des NABU, die gezeigt haben wie wenig die Bocholter Bürger überhaupt informiert sind über das, was da quer durch unsere Siedlungen gebaut werden soll. Es hat dazu geführt, dass sich derzeit ca. 25 Bocholter Bürger zusammengesetzt haben, um die Informationen und Argumente, die es bezüglich des Baus von Nord- und Westring gibt, zu sammeln und für alle bereit zu stellen.

Es ist viel über Klimawandel und notwendige Maßnahmen geschrieben worden, aber bei dem Bau des Nordrings geht es um noch viel mehr.

Den Bocholtern würde ein großes Stück Lebensqualität genommen, und das ist den allermeisten Bürgern überhaupt nicht bewusst.
LkWs werden mitten durch Bocholt geleitet, Schulwege durch große Kreisverkehre gefährdet, und deutlich mehr Verkehr generiert. Eine echte Entlastung anderer Bocholter Straßen ist dabei eine Illusion.

Baut man den Nordring nicht, ließen sich die eingesparten Millionen in Bocholt für eine echte Verkehrswende einsetzen. Der ÖPNV, der Radverkehr, aber auch andere Alternativen könnten und müssten damit deutlich ausgebaut werden, um Bocholt als Fahrradstadt zu erhalten.

Die wenigen Vorteile des Nordrings (wenn es sie überhaupt gibt) wiegen den unwiederbringlichen Verlust nicht auf. Der Grüngürtel ist eine ökologisch wertvolle Grünanlage, die bereits besteht und nicht erst geschaffen werden muss. 

Jeder von uns spürt den täglichen Druck des Alltags. Es gibt kaum noch Möglichkeiten zur Entschleunigung. Die Nutzung des Grüngürtels für die Bürger zum Spazieren, als Radweg oder als Spielflächen für Kinder, wie es jetzt schon geschieht, hilft dabei ungemein.

Es gibt viele Kommunen im direkten Umfeld von Bocholt, die inzwischen beispielhaft mit dem Thema Klimapolitik und innerstätischem Individualverkehr umgehen. Davon ist Bocholt leider noch sehr weit entfernt.

Stellungnahme zum Artikel „Nordring – Drei Thesen sind falsch. 

Faktencheck zum Flugblatt gegen den Nordring. Gegner nennen sieben Argumente gegen den Bau – das BBV hat sie überprüft“ ( BBV  3.6.2020) und gleichzeitig zum Kommentar von Stefan Prinz der behauptet, die BBI verbreite Halbwahrheiten

Grundsätzliches: Ja, Bocholt braucht eine sachliche Diskussionskultur. Eine sachliche Diskussionskultur setzt voraus, dass Journalisten ihren Beruf ernst nehmen und ihre Berichterstattung möglichst unter Berücksichtigung verschiedener Meinungen erstellen.

Möglich wäre neben dem Zitieren von Herrn Zöhler im oben stehenden Zeitungsbericht (der nachweislich ein glühender Verfechter des Nordrings ist) auch eine Nachfrage bei der BBI selbst. Dann wäre es gar nicht erst zu den verfälschenden Behauptungen und zur Diffamierung der BBI durch Herrn Prinz gekommen.

Zu These 1: Der Nordring generiert LKW-Verkehr mitten durch zahlreiche Bocholter Wohngebiete.

BBV:
Stimmt nicht. Der Duden übersetzt das Wort „generieren“ mit „erzeugen“. Erzeugt also der Nordring zusätzlichen Lastwagen-Verkehr? Nein. Vorhandener Verkehr wird vielmehr umgelenkt. Das ist auch beabsichtigt, um die Innenstadt zu entlasten.

Gegenargument:
a) Der Autor fügt hier den Begriff „zusätzlicher LKW-Verkehr“ hinzu. Dies entspricht aber nicht der kritisierten These. Richtig ist doch, dass der Nordring LKW-Verkehr in Wohngebiete leitet, die davon bislang nicht betroffen waren. Somit wird durch den Nordring dort LKW-Verkehr generiert / erzeugt / hervorgebracht.
Direkt an der geplanten Nordringtrasse liegen zwei Altenheime, das Diepenbrock-Stift und der St. Vinzenz-Wohnverbund, wie auch die Bischof-Ketteler-Schule mitsamt Kindergarten. Auch die Hohe-Giethorst-Schule und das Euregio-Gymnasium werden in der Nähe des Nordrings liegen.

b) Leider ist wissenschaftlich erwiesen, dass jede neue Straße tatsächlich auch zu mehr Verkehr führt. Diese Problematik des induzierten Verkehrs wird auf der Homepage der BBI ausführlich dargelegt. Die neueste Ausgabe des Handelsblattes kommt zu ähnlichen Ergebnissen. „Ein Ausbau des Straßennetzes um ein Prozent in einer Region führt dazu, dass der Autoverkehr dort um ein Prozent zunimmt – und zwar in weniger als zehn Jahren. „Eine Verdoppelung der Straßen“, bringt Turner das Ergebnis auf den Punkt, „verdoppelt den Verkehr.““
https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/verkehrsoekonomen-warum-strassenbau-kein-mittel-gegen-staus-ist/3279058.html

These 2: Der Nordring bringt auf Schulwegen deutlich mehr Gefahren als Entlastung.

BBV:
Stimmt eher nicht. Diese These ist schwer zu überprüfen, da die Schulwege im Flugblatt nicht konkret benannt werden. Zumindest für das innerstädtische St.-Georg-Gymnasium trifft eher das Gegenteil zu, weil bei einer Sperrung gefährlicher Schleichwege ohne den Bau des Nordrings das Verkehrsaufkommen dort zunehmen würde. Zumindest sagt dies das Verkehrsberechnungsmodell der Verwaltung.

Gegenargument:
Kinder, die aus z.B. Stenern zu weiterführenden Schulen (außer dem Euregio-Gymnasium) fahren, werden den Nordring überqueren müssen und dabei gerade an Kreisverkehren einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sein. Auch Schülerinnen und Schüler, die das Euregio Gymnasium besuchen werden abhängig von der Richtung, in der sie wohnen den Nordring überqueren müssen ( das Georg Gymnasium hingegen ist weit weit entfernt davon! )

These 3: Der Nordring erzeugt mit circa 16.000 Fahrzeugen am Tag Lärm, Abgase und Feinstaub in den angrenzenden Wohngebieten.

Stimmt nicht. Denn der Zweck des Nordrings ist es ja gerade, den Verkehr aus den Bereichen mit Wohnbebauung umzuleiten. Besonders davon dürften die Anwohner der Dinxperloer Straße profitieren. Dort würde der Nordring die Zahl von Autos und Lkws deutlich reduzieren.

Gegenargument:

Bei genauer Betrachtung des Verlaufs des geplanten Nordrings wird deutlich, dass dieser durch eng bebaute Wohngebiete führen wird. Eine Reduktion an der einen Straße wird notwendig zu einer Steigerung an anderen Stellen führen.
Die Nordring Befürworter suggerieren immer wieder, dass es zu einer Verkehrsentlastung an bestimmten Straßen kommen würde ohne zu erwähnen, dass dann an anderer Stelle ein höheres Verkehrsaufkommen zu erwarten ist.
Das Konzept der BBI sieht vor, grundsätzlich den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Dies kann nur gelingen, wenn man nicht neue Straßen baut, sondern alle Alternativen zum MIV gezielt fördert.

These 4: Der Nordring kostet mindestens 50 Millionen Euro.

BBV:
Stimmt nicht. Die Kostenschätzung für den der Nordring – also für das Stück Dinxperloer Straße und Adenauerallee – kostet laut Stadtbaurat Daniel Zöhler rund 16 Millionen Euro. Zieht man davon die Zuschüsse des Landes ab, bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 5,7 Millionen Euro. Die Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro beziehen sich wohl eher auf den gesamten Stadtring, also inklusive des noch nicht realisierten Ostrings. In ihrem Flugblatt nennt die Bürgerinitiative aber nur den Nordring.

Gegenargument:
Der Nordring ist in Bocholt das Synonym für den gesamten Ring von der Fachhochschule bis zum Tunnel. Die Planer bezeichnen den Nordring auch als Rahmenplan Nord, niemals als „Ostring“.
Auch bei den Informationen der Stadt Bocholt über die Planung des Nordrings im Internet ist von Nordring I bis III die Rede. (https://www.bocholt.de/rathaus/planen-und-bauen/rahmenplan-nord/), das Wort „Ostring“ taucht überhaupt nicht auf.

Im Rahmenplan Nord-Startseite Bocholt.de heißt es auf Seite 4 des Dokuments Westring/ Nordring I, II, II… Seite 5 zeigt eine Übersicht mit genau diesen Bezeichnungen, auf S. 78 werden Kostenschätzungen aus dem Jahr 2009 aufgeführt  (Nordring I: 11,2, Nordring II: 13,2, Spange: 2,8, Nordring III: 11,7 plus 10,2 Millionen für den Westring – dies erklärt die von der BBI genannten 50 Millionen) Beim sogenannten Faktenscheck den Ostring ins Spiel zu bringen um die Behauptungen der BBI zu widerlegen, bedeutet eine Irreführung der Leser.

These 5: Der Nordring versiegelt und zerstört circa 10 Hektar (circa 20 Fußballfelder) ökologisch wertvolle Grünfläche mitten in Bocholt unwiederbringlich.

BBV:
Stimmt teilweise. Ja, der Bau würde insbesondere im Bereich Holtwick ökologische Grünfläche zerstören. Dort kann sich die Natur derzeit teilweise recht ungestört entfalten. Andere Flächen der Trasse werden dagegen aktuell landwirtschaftlich genutzt und sind deshalb ökologisch nicht so wertvoll. Übrigens: Ein Fußballfeld (90 Meter mal 120 Meter) entspricht 1,080 Hektar. 10 Hektar sind also eher 10 Fußballfelder.

Gegenargument:
Die offizielle Größe eines Fußballfeldes ist klar definiert. Die Länge der Seitenlinie muss mindestens 90 m und darf maximal 120 m betragen. Die Torlinie ist mindestens 45 m und höchstens 90 m lang. 
Im Bericht des BBV wird nur von der Maximalgröße ausgegangen. Bei der Minimalgröße wären es mehr als 20 Fußballfelder. Absicht, um einseitig Partei zu ergreifen? Die Angabe von 20 Fußballfeldern seitens der BBI war dem Wunsch der Veranschaulichung geschuldet, dass insgesamt 10 Hektar Fläche zerstört würden streitet das BBV nicht ab! D.H. mit der Berechnung des BBV sollen die Leser lediglich in die Irre geführt werden.
Nicht nur in Holtwick, sondern vor allem in Stenern wird wichtige ökologische Fläche zerstört! Dort stehen die ältesten Bäume und diese Stück ist aus ökologischer Betrachtungsweise für Bocholt unverzichtbar – sowohl aus Artenschutzgründen als auch für die Stabilisierung des innerstädtischen Klimas.

These 6: Der Nordring widerspricht dem Bocholter Weg zur „Klimakommune Bocholt“ und der Notwendigkeit zum Umdenken in der Politik.

BBV:
Das stimmt – wohlwollend betrachtet. Wobei diese These nur schwer zu überprüfen ist. Geht man davon aus, dass die Verkehrsbelastung in den nächsten Jahren deutlich gesenkt und es somit keine Notwendigkeit mehr gibt, die Innenstadt zu entlasten, dann wäre diese These richtig. Laut Stadtbaurat Daniel Zöhler ist es aber gerade wichtig, die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten, um noch mehr Menschen aufs Rad zu bekommen. Denn Radfahren ist besonders attraktiv, wenn es schnell und sicher ist.

Gegenargument:
Ein wesentlicher von der BBI benannter Problembereich des geplanten Nordrings wird hier wohlwollend als richtig bezeichnet, um diese Richtigkeit gleich wieder zurückzunehmen.
Auch der BBI geht es um die  Förderung des Radfahrens durch mehr Sicherheit, bessere Parkmöglichkeiten auch für E-Bikes etc. etc. Weshalb für die Entlastung der Innenstadt vom Autoverkehr der Nordring erforderlich sein soll, erschließt sich der BBI nicht und wird auch nicht im sogenannten Faktenscheck nachvollziehbar begründet.

These 7: Der Nordring zerstört Teile des Friedhofs und die Ruhe wird massiv gestört.

BBV:
Das stimmt – für den Ostring. Dem Bau der Trasse müssten Teile des Friedhofs weichen. Dort würde die Verkehrsbelastung steigen – und damit auch die Lärmbelastung. Das wäre allerdings nur bei der kompletten Ringschließung der Fall, da der Bereich Friedhof im Teilbereich des Ostrings liegt.

Siehe Gegenargument zu These 4.

Der Nordring macht für seine Befürworter langfristig nur Sinn, wenn er geschlossen wird. Die Negativen Konsequenzen für den Friedhof werden hier – wenn auch noch nicht mit allen Konsequenzen – zugegeben.

Schlussfolgerung:
Halbwahrheiten werden nicht, wie von Herrn Prinz in seinem Artikel behauptet, von der BBI verbreitet, sondern tauchen im Artikel „Faktencheck“ auf.
Das Sachlichkeit suggerierende Wort „Faktencheck“ bedeutet eine nicht zu akzeptierende Irreführung der Leser des BBV.

Zudem enthält die von Herrn Prinz in seinem Kommentar formulierte Fragestellung „Braucht Bocholt einen Stadtring? Im Kern geht es dabei um die Frage: Wollen wir ein Stück Natur dem Straßenbau opfern, um Autos umzuleiten und damit die Lebensqualität in unserer Kernstadt zu verbessern?“ eine unzulässige Verharmlosung. Die Formulierung „ein Stück Natur“ erweckt den Eindruck, es handele sich um eine zu vernachlässigende Fläche (abgesehen davon, dass es zu vernachlässigende Flächen Natur in Zeiten den Klimawandels nicht mehr gibt), während doch in Wahrheit der Nordpark ein Ökotop von unschätzbarem Wert bedeutet und mit dem Bau des Nordrings der letzte innerstädtische Grüngürtel unwiederbringlich zerstört würde.