Lärm

Lärm

Es werden ca. 16.000 Fahrzeuge am Tag diese Straße mitten durch die Bocholter Siedlungen fahren. Ein nicht unerheblicher Teil davon fährt jetzt die B67 oder andere Umgehungsstraßen ausserhalb um Bocholt herrum. Sie werden also zusätzlich durch Bocholt geleitet und verursachen dabei nicht nur den direkten Lärm, dem die Anwohner direkt an der Straße ausgesetzt sind, sondern bringen einen Grundlärmpegel in die Wohnsiedlungen im Norden Bocholts. Die idyllische Ruhe, die viele Bocholter Anwohner derzeit genießen können, ist damit passé.

Was macht Lärm mit uns?

Neben der enormen Verschmutzung von Erde, Luft und Wasser ist es der Lärm, der uns krankmacht. Dies ergab zum Beispiel eine Studienauswertung im Forschungsverbund „Lärm und Gesundheit“ im Auftrag der WHO (aktualisierter Beitrag vom 7.11.2019 unter https://www.gesundheit.de/medizin/gesundheitundumwelt/laermundgesundheit/laerm-macht-krank ).

Seit der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnenden industriellen Revolution, die England, dann Westeuropa, die USA und immer mehr Teile der sogenannten entwickelten Welt erfasste, erobert der Lärm den Globus und lässt ihn in industriellen Zentren und Großstädten, aber zunehmend auch in ländlichen Gebieten, zu einem krankmachenden Problem anwachsen. Im Zuge der immer schneller vorangaloppierenden Wirtschaft, die sich auf der Basis einer kreischenden, dröhnenden, stampfenden Maschinenwelt über die Erde bewegt, in sie hineinstößt und über sie hinwegheult, wird der Mensch mit seinem elementaren Ruhebedürfnis immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

Beschwerden wie Tinnitus, Schwerhörigkeit, Migräne, Bluthochdruck, Schlafstörungen, psychische Schwierigkeiten, Allergierisiken und Kreislaufprobleme bis zum Herzinfarkt nehmen jährlich zu. Kinder und Jugendliche können sich durch Lärmbelästigung schlechter konzentrieren und entwickeln Hörprobleme bis zur Schwerhörigkeit (Bereits 15% der Jugendlichen hören wie 50jährige). Pro Jahr werden um die 6000 neuer Fälle berufsbedingter Schwerhörigkeit anerkannt. Berücksichtigt werden Fälle akuter Lärmbelästigung, die ab 120 Dezibel Schmerzen verursachen, aber auch das Leiden an permanentem Dröhnen und Rauschen mit 80 Dezibel, wie zum Beispiel beim Straßenverkehr.

Zum Vergleich: Ein raschelndes Blatt erzeugt 10 Dezibel. Ein schwerer LKW 90 Dezibel. Ein Flugzeug 130 Dezibel. Ab 85 Dezibel werden die Gehörzellen des Menschen geschwächt und bei permanenter Belastung zerstört! Das gilt für Erwachsene und verstärkt für unsere Kinder, deren sensible Hörorgane sich erst im Aufbau befinden.

Im Zusammenhang mit den Plänen der Stadt Bocholt, den äußeren Ring um die Stadt auf Biegen und Brechen mitten durch Natur, Friedhofsanlage, Alleen und menschliche Ansiedelungen zu bauen – und das in heutiger Zeit und trotz all der Studien, die von einer weiteren Versiegelung der Flächen und dem Rückbau der Natur abraten – plädieren wir dringend für einen Stopp der Umsetzung total veralteter Pläne und einen Beginn des logischen, naturnahen und zukunftsorientierten Denkens. Bocholt kann sich seine Lorbeeren mit genau dem gegenteiligen Vorgehen erwerben: Indem es kreativ und vorausschauend auf alternative Methoden setzt, um neben Harmonie und Sauberkeit von Luft, Wasser und Erde die RUHE als Entspannungsfaktor für Jung und Alt in den Mittelpunkt stellt.

RUHE ist ein kostbares Gut. Sie soll nicht nur in den kurzen Ferienzeiten zur Verfügung gestellt werden, in denen sich die lärmgeschädigten Menschen, die es sich leisten können, an einem fernen Ort vom Lärm der Heimat erholen. RUHE sollte zum nationalen Welterbe erklärt und somit besser geschützt werden, damit wir alle gesund und ausgeglichen den All-Tag auf unserem kostbaren blauen Planeten genießen können.